Konflikte in der Arbeitswelt

Konstruktive Wege zu guten Arbeitsbedingungen

120 Teilnehmer und Teilnehmerinnen besuchten am 11. Dezember 2017 die Veranstaltung „Konflikte in der Arbeitswelt - Konstruktive Wege zu guten Arbeitsbedingungen“, anlässlich des 40-jährigen Bestehens des Instituts für Sozial- und Wirtschaftswissenschaften (ISW) im Kongressaal der Arbeiterkammer Oberösterreich.

Präsident Dr. Johann Kalliauer wies in seiner Einleitung darauf hin, dass Konflikte in der Arbeitswelt zwar tagtäglich vorkommen und diese auch ein wesentlicher Teil der Beratungstätigkeit der Arbeiterkammer OÖ sind. Im Zuge der Veränderungen in der Arbeitswelt durchzunehmende Beschleunigung und Digitalisierung nehmen die Konflikte zu und zeigen sich in anderer Form (z.B. Cybermobbing). Der AK ist es wichtig, dass Arbeitgeber ihrer Fürsorgepflicht nachkommen und im Sinne der Beschäftigten Konflikte rasch und konstruktiv lösen. Der Präsident verwies weiter auf die Mobbing-Hotline der Arbeiterkammer und dass das Thema Maßnahmen gegen Mobbing am Arbeitsplatz bereits vor 15 Jahren ein Schwerpunkt war.

Im ersten Vortrag „Der subjektive Faktor - die Rolle der Emotionen in der heutigen Arbeitswelt“, referierte der bekannte Psychiater und Psychotherapeut Dr. Rainer Gross über die Relevanz von Emotionen im Arbeitsleben. Gross setzte sich dabei mit der vermeintlichen Objektivität und Rationalität von Handlungen und Entscheidungsprozessen auseinander und sagt, dass es auch so etwas wie rationale Märkte nicht gibt, sondern dass auch diese von Emotionen gesteuert werden. Eine weitere Problematik sieht Gross darin, dass so etwas wie negative Emotionen wie Trauer, Wut oder Angst kaum einen Platz im rationalen Arbeitsleben finden. Die zunehmende Individualisierung verstärken Angst und Isolationsgefühle.

Im zweiten Vortrag über „Mobbing - ein Phänomen im Wandel der Zeit“ wurden von der Konflikt- und Mobbingexpertin DDr.in Christa Kolodej empirische Grundlagen und Beispiele aus der Beratungspraxis auf sehr lebendige und anschauliche Weise vermittelt.

Eine zentrale Botschaft in ihrem Vortrag war die Aussage, dass es wichtig ist, die Menschen zu ermutigen, selber Konflikte zu lösen bzw. Mobbing mutig entgegenzutreten. Sie sieht die Menschen, die zu ihr in Beratung kommen, immer in Richtung aktive Lösung. Was kann jemand aktiv tun, um einen Konflikt zu lösen und Mobbing zu unterbinden. Empowerment und Hilfe zur Selbsthilfe sind essentielle Ansätze im Umgang mit Konflikten und Mobbing.

Prof. Dr. Elias Felten vom Institut für Arbeit- und Sozialrecht an der JKU referierte über die aktuelle Judikatur zur „Fürsorgepflicht des Arbeitgebers“. Zusätzlich zur Fürsorgepflicht gibt es das Gleichbehandlungsgesetz als rechtliche Interventionsmöglichkeit.

In der anschließenden Diskussion mit Referenten und Publikum, die von Manuela Hiesmair (IBE) moderiert wurde, konnten noch Fragen und spezielle Facetten zum Thema Konflikte in der Arbeitswelt noch genauer erörtert werden.

Die Veranstaltung zeigte, wie wichtig es ist, für Konflikte auch strukturelle und gesellschaftliche Ursachen zu suchen und welche Verpflichtungen Arbeitgeber und Führungskräfte haben, Konflikte zu lösen. Die Vorträge machten Mut um das eigene Konfliktverhalten zu reflektieren und gaben interessante Hinweise für die Beratung in der Arbeiterkammer Oberösterreich.