Führungsverhalten und Stress beeinflussen betriebliche Konfliktverläufe ganz wesentlich.

Konflikte in der Arbeitswelt können in eine persönliche und in eine strukturelle Dimension unterteilt werden. Innerhalb der Gruppe der persönlichen Konflikte wird ein Konflikt zwischen zwei Mitarbeitern/-innen und ein Konfliktfall zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern/-innen beispielhaft angeführt. Als Beispiel für einen möglichen Strukturkonflikt kann ein Konflikt benannt werden, der im Gefolge einer Fusion generiert wurde. Für eine mögliche Konfliktlösung ist sehr entscheidend, welche Bedingungen dafür gegeben sind. Gerade Stressbedingen sind Umstände, unter denen eine Lösung von persönlichen Konflikten deutlich erschwert werden können. In diesem Kontext muss auf den Umstand verwiesen werden, dass persönliche Konflikte in der Arbeitswelt mitunter einer unbeachteten strukturellen Dimension zu Grunde liegen. Ob und wie Konflikte generiert werden, und welcher Umgang mit ihrer Existenz gepflegt wird, sind wesentliche „Laborbedingungen“ in der Arbeitswelt. An der Beschaffenheit all dieser Laborbedingungen hat das Handeln von Führungskräften einen beachtlichen Anteil. Ihr Handeln, oder auch ihr Nicht-Handeln, entscheidet wesentlich darüber, ob ein Konflikt ungelöst unter den Teppich gekehrt, oder der Versuch einer ernsthaften Konfliktlösung tatsächlich auf den Weg gebracht wird.

Experten/-innen zu den Konfliktursachen:

 

AK-Expertin

Experte der
Gewerkschaft vida

medizinische Expertin

Friedens- und
Konfliktforscher

 

 

Konfliktursachen

 
  • Stressbelastung durch Arbeitsverdichtung
  • Strukturkonflikte
  • Angst um den Arbeitsplatz
  • Personalmangel im Pflegebereich
 
 
  • Personalmangel im
    Gesundheitsbereich
  • Gewalt durch Dritte: Patienten/-innen und Fahrgäste
 
 
  • Personalmangel
  • Probleme mit Kollegen/-innen
  • subjektive Ungerechtigkeiten
 
 
  • Druck
  • Stress
  • Zeitmangel
 

„Weil für die Aufmerksamkeit, die Sensibilität für die Anderen oder auch für das eigene Verhalten... einfach keine Zeit mehr bleibt…“(49:29)

Friedens- und
Konfliktforscher

Der von den interviewten Experten/-innen gezeichnete Befund zeigt ein über weite Strecken sehr einheitliches Bild. Der Mangel an Personal verursacht in vielen Fällen eine sehr große Stressbelastung auf die Mitarbeiter/-innen. Zudem gesellt sich die Anforderung, dass das gleiche Pensum an Arbeit in immer kürzerer Zeit abgewickelt werden soll. Auch die Sorge, ihren Arbeitsplatz zu verlieren setzt die Mitarbeiter/-innen unter Druck. Es gibt aber ebenso Belastungen, die durch Dritte in die Arbeitswelt hineinwirken, beispielweise durch Patienten/-innen oder Kunden/-innen. Das subjektive Empfinden, dass anstehende Arbeitsaufträge von den Führungskräften nicht in gerechter Weise auf die Mitarbeiter/-innen verteilt wurden, beflügelt ebenso Konflikte in der Arbeitswelt. 

Experten/-innen zu den Führungskräften:

 

AK-Expertin

Experte der
Gewerkschaft vida

medizinische Expertin

Friedens- und
Konfliktforscher

 

Führungskräfte

 
  • Führungskräfte selbst unter Stress   
  • Frage: Wie Führungskräfte
    entstressen?
 
 
  • Führungskräfte geben Druck von oben weiter 
  • Führungskräfte haben mangelnde
    Konfliktausbildung
 
 
  • deren Verhalten hat großen Einfluss auf Entstehung von Konflikten u. Mobbing
  • Notwendigkeit des persönlichen Gespräches
 
 
  • Führungskräfte benötigenAusbildung in Konflikterhebung und Konfliktlösung
 

 

Es braucht dafür Training, ganz eindeutig ja...“ (38:32)

Der Friedens- und Konfliktforscher auf die Interviewfrage, ob er eine professionelle Konfliktausbildung

für Führungskräfte für notwendig erachtet

Sowohl die AK-Expertin als auch der Experte der Gewerkschaft vida haben übereinstimmend festgestellt, dass Führungskräfte selbst unter Stress stehen. Sie meinen damit insbesondere Angehörige der mittleren Managementebene, die den Druck, den sie selbst von der obersten Führungsebene erhalten, an die Mitarbeiter/-innen weitergeben. Ebenso haben die interviewten Experten/innen darauf hingewiesen, dass Führungskräfte ihrer Einschätzung nach über eine mangelhafte Ausbildung in Sachen Konfliktmanagement verfügen. Darüber hinaus verweisen die Experten/-innen auf die Notwendigkeit der Konfliktausbildung für alle beteiligten Akteure in der Arbeitswelt. Sie meinen damit neben den Führungskräften auch die Betriebsräte/-innen und sämtliche Mitarbeiter/-innen.

Experten/-innen zur Prävention:

 

AK-Expertin

Experte der
Gewerkschaft vida

medizinische Expertin

Friedens- und
Konfliktforscher

Prävention       

 
  • gutes Betriebsklima
  • konstruktive Konflikt-
    lösungskompetenz
  • Stressvermeidung
  • ausreichende Personalstände   
  • menschliche Arbeitsformen
 
 
  • Zivilcourage fördern
 
 
  • Mitarbeiter/-innen, Team- u. Vieraugengespräche (Ziele formulieren)
  • gute Teamstrukturen
  • Offenheit für Probleme
  • Kommunikation
 
 
  • Kenntnisse im professionellen
    Konfliktumgang haben hohen präventiven Charakter
 

 

Die medizinische Expertin fordert insgesamt eine Kultur des vermehrten miteinander Redens in den Betrieben. Ein sehr wesentliches „Vehikel“ dazu sind für sie die Mitarbeitergespräche, die einen sehr wesentlichen Beitrag zur Motivation der Mitarbeiter/-innen leisten können, wörtlich meint sie dazu:

 „…und Motivation ist trotzdem das wichtigste in einem Betrieb, dass das auch funktioniert.“ (10:17) 

Ein gutes Betriebsklima und eine Struktur des innerbetrieblichen Informationsaustausches, die für die Mitarbeiter/-innen transparenten Charakter hat, werden von den Experten/-innen als wesentliche präventive Maßnahmen zur Konfliktvermeidung betrachtet. Sehr wesentlich erscheint auch die Kompetenz zum professionellen Umgang mit Konflikten. Viel liegt auch daran, in welchem Ausmaß Führungskräfte in der Lage sind, gegenüber ihren Mitarbeitern/-innen eine Kultur des Respektes und des ernstgenommenen Werdens zu pflegen. Gerade diese beiden Parameter spielen eine wesentliche Rolle, was die Motivation der Mitarbeiter/-innen in der Arbeitswelt betrifft.

Die Gesamtergebnisse des ISW-Forschungsprojektes zum Thema „Konflikte, Mobbing und Gewalt als Herausforderung für die Betriebsratsarbeit“ werden im Herbst 2020 der Öffentlichkeit präsentiert.