ISW-Betriebsrätebefragung 2019

Die Themen Betriebsklima, Unternehmenskultur, Konfliktausmaß und Konfliktbewältigung standen im Fokus der ISW-Betriebsrätebefragung 2019, an der oberösterreichweit 513 Betriebsratsvorsitzende teilgenommen haben.

Betriebsklima deutlich unter Druck

Ein Befund bisheriger Betriebsräte/-innen-Befragungen ist, dass das Betriebsklima ein wichtiges Thema in der Betriebsratstätigkeit darstellt. Im Rahmen der ISW-Betriebsrätebefragung 2019 wurden daher die Betriebsratsvorsitzenden in Oberösterreich gebeten, die Entwicklung des Betriebsklimas in den letzten 5 Jahren zu bewerten. Die dabei gegebenen Antworten spiegeln sehr eindeutig eine negative Entwicklung des Betriebsklimas wider.

Wenn man die beiden Antwortmöglichkeiten „stark verschlechtert“ und „verschlechtert“ zusammenfasst, so stellt rund ein Viertel der Betriebsrats­vorsitzenden eine sehr klare Verschlechterung des Betriebsklimas fest. Werden auf der anderen Seite der Skala die beiden Antwortkategorien „verbessert“ und „stark verbessert“ zusammengezogen, so sehen nur 10 Prozent der Befragten eine eindeutige Verbesserung des Betriebsklimas. Mit 43 Prozent steht die Mittelkategorie „eher verschlechtert“ klar an der Spitze der negativen Entwicklung, während für nur 23 Prozent der Befragten die Mittelkategorie „eher verbessert“ zutreffend erscheint.

Tendenz zur ständigen Leistungssteigerung und mangelnder Dialog bei Veränderungen als Problemfelder

Mehr als eindeutig fällt die Antwort der Betriebsratsvorsitzenden auf die Frage aus, ob ihrer Einschätzung nach die Leistungsanforderungen an die Mitarbeiter/-innen ständig nach oben geschraubt werden.

Für 49 Prozent der Betriebsratsvorsitzenden trifft die Aussage der ständigen Leistungssteigerung „völlig zu“ beziehungsweise „trifft zu“. Ebenso trifft für 32 Prozent der Befragten die Aussage der ständigen Leistungssteigerung „eher zu“. So betrachtet sehen mehr als 80 Prozent der Betriebsratsvorsitzenden das Phänomen der ständigen Leistungssteigerung als gegeben an. Überzogene Leistungs­anforderungen sind damit ganz offensichtlich ein wesentlicher Aspekt des Betriebsklimas, der dieses massiv belastet.

Die Aussage, wonach Zuständigkeiten und Aufgabenfelder klar voneinander abgegrenzt werden, trifft für 35 Prozent der Befragten „eher zu“, 23 Prozent der Befragten haben dabei entweder die Kategorie „trifft zu“ oder „trifft völlig zu“ angekreuzt. Ebenso wurde den Betriebsräten/-innen die Frage nach dem wertschätzenden Umgang mit den Mitarbeitern/-innen von Seiten der Unternehmens­leitung gestellt. Die dabei gegebenen Antworten entsprechen einem durchaus differenzierten Bild. Dementsprechend trifft für 32 Prozent der Befragten die Aussage „Würdigung unabhängig von der Position“ „eher zu“, für 18 Prozent trifft diese Aussage „zu“ beziehungsweise „völlig zu“.

Skeptisch zeigen sich die Betriebsräte/-innen bei der Aussage, dass Veränderungen im Dialog mit den Mitarbeitern/-innen umgesetzt werden. Für 28 Prozent der Befragten trifft dieses Statement „überhaupt nicht“ beziehungsweise „nicht zu“, für weitere 32 Prozent trifft dieses Statement „eher nicht zu“.

Verhältnis von Betriebsrat und Geschäftsführung deutlich abgekühlt

Die Qualität der betrieblichen Mitbestimmung kann als wesentlicher Aspekt des Betriebsklimas aufgefasst werden. Hinsichtlich der Zusammenarbeit mit Geschäftsführung/Management ist im Vergleich der ISW-Betriebsrätebefragungen der Jahre 2018 und 2019 eine eindeutige Tendenz in Richtung „Klimaver­schlechterung“ in den Augen der befragten Betriebsräte/-innen feststellbar.

Im relativ kurzen Vergleichszeitraum von (nur) einem Jahr zeigt sich in der Kategorie „sehr gut“ ein recht deutlicher Rückgang von ursprünglich 16 auf nur mehr 9 Prozent. Auch die Bewertungskategorie „gut“ weist einen dreiprozentigen Rückgang von 40 auf 37 Prozent aus. Die Kategorie „eher nicht gut“ weist einen Zuwachs von bislang 10 auf nunmehr 14 Prozent aus. Als „eher gut“ bewerten 34 Prozent der Befragten im Jahr 2019 die Qualität der Zusammenarbeit zwischen Betriebsrat und Geschäfts­führung, dieser Wert lag im Jahr 2018 mit 27 Prozent noch deutlich darunter.

Unterschiedliche Qualitäten in der Einbeziehung des Betriebsrats

Die generelle Einschätzung der Qualität der Zusammenarbeit mit der Zusammenarbeit kann durch die Beschreibung konkreter Handlungsweisen gegenüber dem Betriebsrat ergänzt und differenziert werden.

ISW-Betriebsrätebefragung

Projektbeschreibung

Seit 2008 werden mit der ISW-Betriebsrätebefragung Rahmenbedingungen und Tätigkeitsfelder von Betriebsratskörperschaften in Oberösterreich erhoben. Mit dem Dauerbefragungsprojekt verbinden sich drei Zielsetzungen: Erstens soll auf Trends in den Tätigkeitsbereichen und Rollenzuschnitten von Betriebsräten und Betriebsrätinnen hingewiesen werden, zweitens sollen die Vorteile eines Betriebsrats sichtbar gemacht und dadurch Neugründungen unterstützt werden, und schließlich soll drittens die öffentliche Meinung zum Wandel in der Arbeitswelt um eine ArbeitnehmerInnenperspektive angereichert werden. Betriebsratsvorsitzende sind in ihrer Doppelrolle als PraktikerInnen und ExpertInnen in besondere Weise dazu geeignet.

Die ISW-Betriebsrätebefragung wird einmal jährlich als Kombination von Online- und Briefbefragung durchgeführt. Befragt werden jeweils alle Betriebsratsvorsitzenden in privaten und öffentlichen bzw. öffentlichkeitsnahen Unternehmen in Oberösterreich.

Jährlich wiederkehrende Themen der Befragung sind die Qualität der innerbetrieblichen Sozialpartnerschaft, die Haupttätigkeitsbereiche des Betriebsrats sowie Prognosen zur Entwicklung der Beschäftigung beziehungsweise zur wirtschaftlichen Entwicklung des Betriebs. Daneben gibt es jährlich wechselnde thematische Schwerpunkte.