ISW-Betriebsrätebefragung

Projektbeschreibung

Seit 2008 werden mit der ISW-Betriebsrätebefragung Rahmenbedingungen und Tätigkeitsfelder von Betriebsratskörperschaften in Oberösterreich erhoben. Mit dem Dauerbefragungsprojekt verbinden sich drei Zielsetzungen: Erstens soll auf Trends in den Tätigkeitsbereichen und Rollenzuschnitten von Betriebsräten und Betriebsrätinnen hingewiesen werden, zweitens sollen die Vorteile eines Betriebsrats sichtbar gemacht und dadurch Neugründungen unterstützt werden, und schließlich soll drittens die öffentliche Meinung zum Wandel in der Arbeitswelt um eine ArbeitnehmerInnenperspektive angereichert werden. Betriebsratsvorsitzende sind in ihrer Doppelrolle als PraktikerInnen und ExpertInnen in besondere Weise dazu geeignet.

Die ISW-Betriebsrätebefragung wird einmal jährlich als Kombination von Online- und Briefbefragung durchgeführt. Befragt werden jeweils alle Betriebsratsvorsitzenden in privaten und öffentlichen bzw. öffentlichkeitsnahen Unternehmen in Oberösterreich.

Jährlich wiederkehrende Themen der Befragung sind die Qualität der innerbetrieblichen Sozialpartnerschaft, die Haupttätigkeitsbereiche des Betriebsrats sowie Prognosen zur Entwicklung der Beschäftigung beziehungsweise zur wirtschaftlichen Entwicklung des Betriebs. Daneben gibt es jährlich wechselnde thematische Schwerpunkte.

Betriebsrätebefragung 2018

Kritischer Standpunkt zum neuen Arbeitszeitgesetz – erste Ergebnisse aus der ISW-Betriebsrätebefragung 2018

Arbeitszeit war im ablaufenden Jahr ein zentraler Tätigkeitsbereich für die Betriebsratsvorsitzenden. 70 % der Befragten beschäftigten sich eher bis sehr intensiv damit.

Das neue Arbeitszeitgesetz wird von den Betriebsratsvorsitzenden sehr kritisch gesehen. Dies ist ein erstes Ergebnis der ISW-Betriebsrätebefragung 2018, an der sich mehr als 550 Betriebsratsvorsitzende aus dem ganzen Bundesland beteiligten. Die Möglichkeit, in Zukunft auch ohne Zustimmung eines Betriebsrats 12 Stunden pro Tag und 60 Stunden pro Woche Arbeitsleistung verlangen zu dürfen, wurde von 57 % der Befragten als überhaupt nicht positiv bewertet. Weitere 35 % stuften diese Reform als nicht positiv bzw. eher nicht positiv ein. Nur  8 % der befragten Betriebsräte und Betriebsrätinnen konnte in der Erhöhung der Höchstarbeitszeit etwas Positives sehen.

Die wirtschaftliche Situation der Unternehmen stellt sich aus der Sicht der Betriebsratsvorsitzenden sehr positiv dar.  86 % der befragten Betriebsratsvorsitzenden aus dem gewinnorientierten Teil der Wirtschaft sprachen von einem positiven Unternehmensergebnis im letzten Geschäftsjahr. 10 % berichteten von einem ausgeglichenen Ergebnis und 4 % von Verlusten.

An der sehr guten wirtschaftlichen Lage der Unternehmen wird sich aus der Sicht der Betriebsratsvorsitzenden auch kurz beziehungsweise mittelfristig wenig ändern. 85 % der Befragten gingen kurzfristig von einer eher bis sehr guten Geschäftsentwicklung aus.

Auch mittelfristig (bezogen auf die nächsten beiden Jahre) gingen 82 % von einer positiven wirtschaftlichen Entwicklung im eigenen Unternehmen aus.

Die Schattenseite dieser positiven Wirtschaftslage ist der hohe Gewinndruck: 89 % der Befragten teilten die Ansicht, dass im eigenen Unternehmen ein Druck bestehe, immer höhere Gewinne zu erwirtschaften.

Die gesamte Studie wird voraussichtlich gegen Ende des Jahres veröffentlicht.

Rückblick auf die Wirtschaftskrise - Betriebsrätebefragung 2009