ISW-Betriebsrätebefragung

Projektbeschreibung

Seit 2008 werden mit der ISW-Betriebsrätebefragung Rahmenbedingungen und Tätigkeitsfelder von Betriebsratskörperschaften in Oberösterreich erhoben. Mit dem Dauerbefragungsprojekt verbinden sich drei Zielsetzungen: Erstens soll auf Trends in den Tätigkeitsbereichen und Rollenzuschnitten von Betriebsräten und Betriebsrätinnen hingewiesen werden, zweitens sollen die Vorteile eines Betriebsrats sichtbar gemacht und dadurch Neugründungen unterstützt werden, und schließlich soll drittens die öffentliche Meinung zum Wandel in der Arbeitswelt um eine ArbeitnehmerInnenperspektive angereichert werden. Betriebsratsvorsitzende sind in ihrer Doppelrolle als PraktikerInnen und ExpertInnen in besondere Weise dazu geeignet.

Die ISW-Betriebsrätebefragung wird einmal jährlich als Kombination von Online- und Briefbefragung durchgeführt. Befragt werden jeweils alle Betriebsratsvorsitzenden in privaten und öffentlichen bzw. öffentlichkeitsnahen Unternehmen in Oberösterreich.

Jährlich wiederkehrende Themen der Befragung sind die Qualität der innerbetrieblichen Sozialpartnerschaft, die Haupttätigkeitsbereiche des Betriebsrats sowie Prognosen zur Entwicklung der Beschäftigung beziehungsweise zur wirtschaftlichen Entwicklung des Betriebs. Daneben gibt es jährlich wechselnde thematische Schwerpunkte.

Betriebsrätebefragung 2018

Arbeitnehmer/-innenmitbestimmung: Starker Gegenwind

Negative Auswirkungen durch das neue Arbeitszeitgesetz und die Bedeutung der Jungendvertrauensräte standen im Fokus der ISW-Betriebsrätebefragung. Darüber hinaus wurden auch der wachsende Zeitdruck für die Betriebsarbeit, sowie Forderungen zur Stärkung der Betriebsräte einer näheren Analyse unterzogen.

Klare Ablehnung der neuen Höchstarbeitszeit

Seit 1. September 2018 ermöglicht die gegen massiven Protest beschlossene Novelle des Arbeitszeitgesetzes neue Höchstarbeitszeiten: 12 Arbeitsstunden pro Tag und 60 Stunden in der Woche, die bisher absoluter Ausnahmefall waren und einer speziellen Zustimmung des Betriebsrats beziehungsweise des Arbeitsinspektorats bedurften, sind seitdem generell zulässig. Diese massive Ausweitung der Arbeitszeithöchstgrenzen wird von den Betriebsratsvorsitzenden äußerst kritisch betrachtet. 92 Prozent bewerten diese Änderungen als eher nicht bis überhaupt nicht positiv. Rund 80 Prozent der Betriebsratsvorsitzenden befürchten negative Auswirkungen auf Gesundheit, Arbeitssicherheit, Familienleben und Freizeitgestaltung.

 

Jugendvertrauensräte sind wesentliche Basis für erfolgreiche Betriebsratstätigkeit

Betriebe, die dauerhaft mehr als fünf Jugendliche beschäftigen, müssen nach aktueller Gesetzeslage einen Jugendvertrauensrat einrichten. Im Regierungsprogramm ist festgeschrieben, die Jugendvertrauensräte abzuschaffen. Stattdessen sollen die jugendlichen Beschäftigten bei Betriebsratswahlen aktiv wahlberechtigt werden, was mit Sicherheit keinen adäquaten Ersatz darstellt. In der aktuellen ISW-Betriebsrätebefragung bewerten es 83 Prozent aller Befragten eher bis sehr wichtig, dass Jugendliche im Betrieb durch den Jugendvertrauensrat vertreten werden. Jugendvertrauensräte stellen auch eine sehr wichtige Rekrutierungsbasis für eine spätere Betriebsratstätigkeit dar.

 

Wachsender Zeitdruck als Hemmschuh für die Betriebsarbeit

88 Prozent der Betriebsratsvorsitzenden bewerten es als eher nicht bis überhaupt nicht leicht, geeignete Kollegen/-innen für die Betriebsarbeit zu motivieren. Als wesentliche Gründe dafür werden folgende Punkte angegeben:

  • Zeitdruck in der Arbeit
  • Sorge um berufliche Nachteile
  • Verlagerung von Betriebsarbeit in die Freizeit
  • Mangelndes Vertrauen in eigene Fähigkeiten

Forderungen für eine zukünftige gedeihliche Betriebsarbeit:

  • Fixes Zeitkontingent für Betriebsratsarbeit von nicht freigestellten Betriebsräten/-innen
  • Recht auf zweite Freistellung bereits ab 500 statt bisher 700 Beschäftigten
  • Erweiterung des Kündigungs- und Benachteiligungsschutzes auf eine fiktive Periode nach Ausscheiden aus dem Betriebsratsgremium

 

Unterlagen zur Pressekonferenz 07.12.2018

 

 

Betriebsrätebefragung 2018 - Erste Ergebnisse

Das neue Arbeitszeitgesetz wird von den Betriebsratsvorsitzenden sehr kritisch gesehen. Dies ist ein erstes Ergebnis der ISW-Betriebsrätebefragung 2018, an der sich mehr als 550 Betriebsratsvorsitzende aus dem ganzen Bundesland beteiligten. Die Möglichkeit, in Zukunft auch ohne Zustimmung eines Betriebsrats 12 Stunden pro Tag und 60 Stunden pro Woche Arbeitsleistung verlangen zu dürfen, wurde von 57 % der Befragten als überhaupt nicht positiv bewertet. Weitere 35 % stuften diese Reform als nicht positiv bzw. eher nicht positiv ein. Nur  8 % der befragten Betriebsräte und Betriebsrätinnen konnte in der Erhöhung der Höchstarbeitszeit etwas Positives sehen.

 

Die wirtschaftliche Situation der Unternehmen stellt sich aus der Sicht der Betriebsratsvorsitzenden sehr positiv dar.  86 % der befragten Betriebsratsvorsitzenden aus dem gewinnorientierten Teil der Wirtschaft sprachen von einem positiven Unternehmensergebnis im letzten Geschäftsjahr. 10 % berichteten von einem ausgeglichenen Ergebnis und 4 % von Verlusten.

An der sehr guten wirtschaftlichen Lage der Unternehmen wird sich aus der Sicht der Betriebsratsvorsitzenden auch kurz beziehungsweise mittelfristig wenig ändern. 85 % der Befragten gingen kurzfristig von einer eher bis sehr guten Geschäftsentwicklung aus.