Betriebsrätebefragung 2020

Covid-19 und die Auswirkungen auf die Betriebsratsarbeit und den Betrieb

Der durch die Covid-19-Pandemie hervorgerufene Wirtschaftseinbruch betrifft fast alle Branchen in Österreich, zahlreiche Beschäftigte wurden zur Kurzarbeit angemeldet und die Zahl der Arbeitslosen stieg enorm an. Aus diesem Anlass widmet sich dieses ISW-Forschungsprojekt der Frage, was die Auswirkungen dieser Krise auf die Betriebsratsarbeit und den Betrieb sind. Es wurden schon drei Betriebsrät/-innen (Branchen: Handel, Soziales und Elektrogewerbe) in einer gemeinsamen Fokusgruppe dazu befragt und erste Zwischenergebnisse liegen nun vor:

Mitte März 2020 wurde der Covid-19-Lockdown in Österreich ausgerufen, mit zahlreichen Ausgangsbeschränkungen. Viele Betriebe, Schulen und Kindergärten mussten vorübergehend schließen. Zu dieser Zeit haben sich die Sozialpartner gemeinsam mit der Regierung auf ein Kurzarbeitsmodell geeinigt, welches auch schnell in vielen Betrieben in Anspruch genommen wurde. Dennoch herrschte diesbezüglich noch viel Unklarheit, was alle drei Betriebsratsvorsitzenden in der Fokusgruppe bestätigen konnten. Es wurde unter anderem deutlich, dass besonders die Anfangsphase der Kurzarbeit schwierig zu organisieren war. Die Regelungen seitens des AMS haben sich seitdem einige Male geändert, was für alle Beteiligten zu Verständnisproblemen geführt hat. Darunter fällt zum Beispiel auch das Thema der Durchrechnungszeit:

„Sie haben die Thematik der Kurzarbeit nicht verstanden. „Wie geht das? Jetzt bekomme ich was zu 85% oder 90% und ich darf nur drei Stunden arbeiten.. Das verstehe ich nicht.“ Oder auch wie wir dann geöffnet haben, haben sie dann voll gearbeitet, also 100%. „Ja wie jetzt, ich bekomme 80% und arbeite aber 100%.“ Ja, aber in der Durchrechnung... Also da ist sehr viel Kommunikationsarbeitet gewesen zwischen Betriebsrat und auch der Geschäftsleitung an die Mitarbeiter, damit die Thematik verstanden wird…“

Betriebsrätin

Hier wird deutlich, dass das Thema Kommunikation beim Kurzarbeitsmodell eine sehr wichtige Rolle spielt. Davon abgesehen ist auch die finanzielle Lage der zur Kurzarbeit gemeldeten Beschäftigten von Bedeutung. Besonders deutlich war dies in der Branche Soziales und im Handel, da hier das Lohnniveau ohnehin schon niedrig angesetzt ist.

In vielen Betrieben und Branchen wurde zu dieser Zeit das erste Mal Home-Office für die Beschäftigten eingeführt. Das betraf vor allem die Angestellten im Verwaltungsbereich. Hierfür musste die die EDV-Infrastruktur von den Betrieben eingerichtet werden, was bei allen den Befragten nahezu problemlos funktionierte. Home-Office kann einige Vorteile bieten, wie etwa das Arbeiten in einer ruhigen Atmosphäre, was besonders bei geräuschempfindlichen Personen von Relevanz ist. Auch der Wegfall der Arbeitsweges wurde genannt; dies bringt mit Sicherheit viele ökologische Vorteile für die Gesellschaft. Es wurde aber deutlich, dass Home-Office besonders dann schwierig ist, wenn die betroffenen Beschäftigten Kinderbetreuungspflichten haben. Denn wenn die Schulen und viele Kindergärten zu sind, ist die Vereinbarkeit von Job und Home-Schooling für viele eine Herausforderung:
 

„Bei uns war es vor allem für die Mütter anstrengend, die einerseits verfolgen mussten, was die Kinder so machen, weil sie ja auch was lernen und Leistung erbringen mussten. Die ganzen Hausaufgaben zu begleiten und betreuen und andererseits mussten die Mütter ja auch ihre Arbeit machen und dazu kommt das Mittagessen kochen, Frühstück machen und so weiter, weil eben die Kinder daheim sind.“

Betriebsrätin

Die Betriebsratsarbeit war von Anfang an sehr intensiv bei allen befragten Betriebsratsvorsitzenden. Besonders beim Thema Kurzarbeit wurde deutlich, dass hier die Beteiligung des Betriebsrats notwendig war, denn sonst hätte dies mit großer Wahrscheinlichkeit negative Auswirkungen auf die Beschäftigten gehabt. Aber auch bei den Sicherheitsmaßnahmen hatte der Betriebsrat vieles selbst in die Hand genommen: In vielen Betrieben wurden Mund-Nasen-Schutzmasken und Desinfektionsmittel zuerst nur vom Betriebsrat ausgegeben. Des Weiteren hatte der Betriebsrat auch eine zentrale Rolle bei der innerbetrieblichen Kommunikation eingenommen, wie etwa bei der befragten Betriebsratsvorsitzenden aus der Branche Soziales:
 

„Bei uns haben sich sehr viele Mitarbeiter selbst beim Betriebsrat gemeldet, weil eben das ganze losgegangen ist. „Ich hab einen Brief von der Geschäftsleitung bekommen und da steht Kurzarbeit drinnen, was heißt das?“ Die Geschäftsleitung erwartet sich in solchen Situationen vielleicht ein bisschen zu viel von den Betriebsräten. Eigentlich wär das ja ihr Job gewesen und vorher haben sie auch den Betriebsrat oft nicht zuerst informiert – das hat sich jetzt umgedreht.“

Betriebsrätin

Somit wird deutlich, dass die Kommunikation im Betrieb während einer Pandemie von großer Wichtigkeit für die Betriebsratsarbeit und die Beschäftigten ist, ob bei Kurzarbeitsanträgen oder Sicherheitsbestimmungen. Die Gesamtergebnisse des ISW-Forschungsprojektes zum Thema „Covid-19 und die Auswirkungen auf die Betriebsratsarbeit und den Betrieb“ werden Ende 2020 der Öffentlichkeit präsentiert.