"Arbeitslosigkeit statt Arbeitslose bekämpfen", 26.01.2017 in der AK Linz

Arbeitslose sind stark an wirklich weiterqualifizierender Bildung interessiert, finden dabei aber häufig schwierige Rahmenbedingungen vor. Dies ist ein Hauptergebnis der AK-Arbeitslosenbefragung 2016,  die im Rahmen der gut besuchten Veranstaltung „Arbeitslosigkeit und nicht Arbeitslose bekämpfen“ am 26. Jänner 2016  in der AK Linz erstmals der Öffentlichkeit präsentiert wurde.

Harald Dietinger, Vizepräsident der Arbeiterkammer Oberösterreich, kritisierte in seiner Eröffnungsrede die Verunglimpfung von Arbeitslosen und hob die Gefahr der Ausgrenzung durch die Gesellschaft hervor.

Matthias Specht-Prebanda vom ISW (Institut für Sozial- und Wirtschaftswissenschaften) präsentierte die wichtigsten Ergebnisse der AK-Arbeitslosenbefragung. Über 60 % der befragten Arbeitslosen wären zu einer Umschulung bereit, aber nur etwa ein Viertel davon hat ein konkretes Angebot vom AMS bekommen. Längerfristige Qualifizierungen wie z.B. Nachholen von Bildungsabschlüssen werden  positiv, kurzfristige Maßnahmen wie Bewerbungstrainings dagegen kritisch beurteilt.

Iris Woltran von der Arbeiterkammer Oberösterreich zog die politischen Schlussfolgerungen aus den Befragungsergebnissen: Erwerbslose brauchen eine zweite Bildungschance in Form eines „Weiterbildungsgeldes“, das eine berufliche Neuorientierung unter gesicherten finanziellen Rahmenbedingungen ermöglicht.

Rainer Eppel vom WIFO (Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung) legte überzeugend dar, dass mehr Druck auf Arbeitslose nicht zu mehr Arbeitsaufnahmen, sondern zu einem Rückzug aus dem Arbeitsmarkt führt.

In einer anschließenden Podiums- und Publikumsdiskussion mahnte Walter Haberl vom ÖGB die Verantwortung der Wirtschaft bei der Schaffung von Arbeitsplätzen ein. Zudem kritisierte er Kampagnen gegen Arbeitslose und wandte sich gegen Sperren des Arbeitslosengeldes, die für die betroffenen existenzbedrohende Folgen hätten. Maria Brunner vom AMS betonte, dass in der AMS-Strategie bereits eine Umorientierung hin zu längerfristigen Qualifizierungen vollzogen wurde. Aus dem Publikum meldeten sich Vertretern/-innen der ÖGB-Themenforums Arbeitslosigkeit zu Wort und schilderten ihre schwierige Lage.

Link: Forschungsbericht Arbeitslosenbefragung