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Krisenbetroffenheit ist differenziert zu betrachten
Die derzeitige Geschäftslage des eigenen Betriebs wird von knapp der Hälfte der Betriebsratsvorsitzenden als „gut“ bzw. „sehr gut“ beurteilt. Eine weiteres Viertel beurteilt sie noch als „eher gut“. Ein Viertel der Betriebsräte/-innen berichtet hingegen von einer negativen Geschäftslage. Das geht aus den ersten Ergebnissen der ISW-Betriebsrätebefragung 2009 hervor.
Der globale Trend in der Einschätzung der kurzfristigen Geschäftsentwicklung (bezogen auf die nächsten sechs Monate) zeigt eine leichte Verschlechterung gegenüber der derzeitigen Lage an. Die Talsohle der Krise ist aus Sicht der Betriebsräte/-innen noch nicht durchschritten. Mittelfristig (bezogen auf die nächsten 24 Monate) wird global betrachtet jedoch eine deutliche Verbesserung erwartet.
Die Einschätzungen zur Geschäftsentwicklung der Betriebe sind je nach Branche sehr unterschiedlich: In den Bereichen „Handel“, „Banken/Versicherungen“ und der Nahrungsmittelindustrie wird die Geschäftsentwicklung überdurchschnittlich positiv eingeschätzt. In den Branchen „Metall/Elektro/Fahrzeug“ und „Chemie/Kunststoff“ geht ein deutlich höherer Anteil der Befragten kurzfristig von einer negativen Geschäftsentwicklung aus.
Insgesamt sieht etwa die Hälfte der Befragten ihren Betrieb als krisenbetroffen an: Auf die Aussage „Der Betrieb ist stark von der Wirtschaftskrise betroffen“ antworteten knapp 30% mit „trifft zu/trifft voll und ganz zu“. Mehr als ein Viertel antwortete noch mit „trifft eher zu“. Die andere Hälfte der Betriebsratsvorsitzenden ist nicht der Ansicht, dass ihr Betrieb stark von der Krise beeinflusst wird; mehr als ein Viertel lehnt diese Aussage sogar definitiv ab („trifft nicht zu“/ „trifft überhaupt nicht zu“).
Ein brisantes Ergebnis ist, dass etwa 45% der Betriebsräte/-innen der Ansicht sind, dass das Argument der Krise oft nur vorgeschoben wird, um andere Interessen durchzusetzen: Ein Fünftel antwortete auf die Aussage „Die Geschäftsführung nützt die Krise als Vorwand um Sparmaßnahmen durchzusetzen“ mit „ trifft eher zu“; ein weiteres Viertel mit „trifft zu/trifft voll und ganz zu“. Besonders bemerkenswert ist, dass jene Befragten, die von einer tatsächlichen Krisenbetroffenheit berichten, auch häufiger der Ansicht sind, dass der Betrieb die Krise als Vorwand für Sparmaßnahmen missbraucht.
Auch wenn aus den Befragungsergebnissen deutlich eine Krisenbetroffenheit (einzelner Branchen) hervorgeht, ist dies für die Betriebsräte/-innen kein ausreichender Grund für eine Lohnzurückhaltung bei den Kollektivvertragsverhandlungen. Der Aussage „Auch in der Krise muss die Gewerkschaft eine deutliche Reallohnerhöhung durchsetzen“ stimmen 90% der Befragten zu. Mehr als ein Drittel stimmte sogar „voll und ganz zu“.
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