ISW Linz , 30.11.2007
URL: http://www.isw-linz.at/43_ZF_VA_20_11_07.html

43-ZF_VA_20_11_07


ISW-Veranstaltung am 20.11.2007 "Armes reiches Europa? Gegenwart und Zukunft der Arbeitswelt"

Zusammenfassung

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Zusammenfassung

AK-Präsident Johann Kalliauer eröffnete die Veranstaltung mit dem Verweis auf die erfreuliche Tatsache, dass es seit 2006 wieder zu kräftigerem Wirtschaftswachstum und einer Zunahme der Beschäftigung gekommen ist. Leider wurde aber die seit Jahren laufende Umverteilung zulasten der Lohneinkommen immer noch nicht gestoppt. Zusätzlich setzt sich der Trend hin zu atypischen Beschäftigungsverhältnissen weiter fort. Umso mehr muss daher die Schaffung qualitativ hochwertiger Arbeitsplätze mit voller arbeits- und sozialrechtlicher Absicherung ein zentrales Ziel der Politik sein. Die Arbeitnehmer/-innen sollen endlich den Anteil am Wirtschaftwachstum bekommen, der ihnen zusteht.

Statement



Willy Buschak – Europäische Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen in Dublin – präsentierte die Ergebnisse einer Umfrage über die Arbeitsbedingungen in der EU. Ein kleiner Auszug: Unbefristete Arbeitsverträge sind zwar noch die Regel, allerdings mit abnehmender Tendenz. Gleichzeitig kam es zu einer Ausdehnung der Teilzeitarbeit. Die Anzahl der Frauen in Führungspositionen hat zwar zugenommen, aber Frauen sind aufgrund des noch immer stark segmentierten Arbeitsmarktes vor allem Vorgesetzte von Frauen. Erstaunlich gering ist die Verbreitung betrieblicher Fortbildung. Diese kommt vorzugsweise den ohnehin schon gut Ausgebildeten und Inhaber/-innen unbefristeter Arbeitsverträge zugute.

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Andranik Tangian – Hans-Böckler-Stiftung – zeigt auf, dass mit der Flexibilisierung der Beschäftigungsverhältnisse auch deren Prekarität steigt. Außerdem wird gezeigt, dass Flexibilität die stärkste negative Wirkung auf Beschäftigungsfähigkeit hat. Flexicurity-Arbeitsmarktpolitik, wie sie die Europäische Kommission vorschlägt, kann demnach nicht konsistent implementiert werden. Um Flexicurity richtig zu implementieren, werden einige alternative Maßnahmen vorgeschlagen, in erster Linie eine so genannte Flex-Versicherung (Flexinsurance), eine Art progressive Flexibilisierungssteuer, bei der der Beitrag des Arbeitgebers zu den sozialen Kassen proportional zur Flexibilität/Prekarität des Arbeitvertrags sein soll. Dies würde das Risiko nachfolgender Arbeitslosigkeit kompensieren und normale Arbeitsverhältnisse begünstigen, ohne aber die Arbeitsmarktflexibilisierung administrativ zu beschränken.

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Thomas Höge – Universität Innsbruck – erläuterte die individuellen und gesellschaftlichen Konsequenzen von Flexibilisierungsprozessen in der Arbeitswelt. Insbesondere in den Bereichen psychophysische Gesundheit und Wohlbefinden, Identität und Lebensplanung, soziale Beziehungen und Solidarität ist mit negativen Wirkungen zu rechnen. Weitere empirische Arbeiten sollten dieser Frage nachgehen, denn die bisherigen Ergebnisse sind widersprüchlich und unzureichend. Der Fokus sollte dabei auf „Flexibilisierung“ allgemein liegen, denn „atypisch“ bedeutet nicht zwangsläufig „prekär“ und „Normalarbeitsverhältnis“ nicht zwangsläufig „nicht-prekär“.

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Thomas Staudinger – Internationales Institut für empirische Sozialforschung – stellte aufbauend auf eine Studie von Inifes die Frage: Was ist gute Arbeit aus der Sicht der Arbeitnehmer/-innen? Zu den wichtigsten Ressourcen die zu guter Arbeit beitragen gehören u.a. ein festes verlässliches Einkommen und ein unbefristeter Arbeitsvertrag. Arbeit soll weiters die Möglichkeit zur Kreativität bieten und als sinnvoll empfunden werden, und es soll ein gutes soziales Umfeld (Kollegen/-innen, Führungskräfte, etc) vorhanden sein. Zu den größten Fehlbeanspruchungen bzw. Belastungen zählen v.a. Arbeitsplatzunsicherheit, einseitige/körperlich schwere Arbeit, Komplexität, Über-/Unterforderung, hohe Arbeitsintensität und emotionale Anforderungen. Je nach Ressourcenpotenzial bzw. Belastungsfaktoren wurden fünf Typen von Arbeit definiert.

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Christian Felber – Freier Publizist, Mitbegründer von ATTAC Österreich – stellte die negativen Auswirkungen der Standortkonkurrenz dar. Die Steuerkonkurrenz führt zu immer niedrigeren Unternehmens- und Vermögenssteuern. Auch sämtliche Komponenten des Arbeitslebens wie Löhne, Sozialleistungen, Urlaub, Kündigungsschutz etc. geraten unter Druck. Während es auf der einen Seite zu Rekordgewinnen kommt, bleiben auf der anderen Seite viele Menschen auf der Strecke. Eine von mehreren Alternativen zur Standortkonkurrenz wäre die Schaffung gleicher Sozial-, Umwelt-, Arbeits- und Steuerstandards innerhalb der EU. Schließlich: Einander zu konkurrieren macht keinen Sinn, Kooperation ist das bewährte Ziel der Evolution.

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