Dorothea Schmidt – Internationale Arbeitsorganisation „ILO“ –
Arbeitsmärkte sind Ursache und Lösung für Verteilungsprobleme. Armut lässt sich
heute im Vergleich zu früher nicht mehr vorrangig an ethnischen Merkmalen
festmachen, sondern an gemeinsamen ökonomischen Eigenschaften wie
Arbeitslosigkeit oder prekären Arbeitsbedingungen. 2007 gab es weltweit – trotz
steigender Beschäftigungsquote – mehr Arbeitslose als je zuvor: ca. 190
Millionen. Die Arbeitslosenquote lag bei 6 %, unverändert im Vergleich zum Jahr
zuvor und nur leicht unter dem Niveau von vor 10 Jahren, allerdings mit großen
regionalen Unterschieden, wie z. B.: 11,8 % im Mittleren Osten und 3,5 % in
Ostasien. Zusätzlich mussten knapp 500 Millionen arbeitende Menschen mit einem
täglichen Einkommen von 1 US$ und etwa 1,3 Milliarden mit 2 US$ auskommen. Die
Globalisierung treibt die globale Ungleichverteilung weiter voran. Deshalb
verfolgt die ILO durch das neue Ziel „menschenwürdige Arbeit für alle“ die
wachsende Ungleichverteilung einzudämmen.
Folien
Dierk Hirschel – DGB
Chefökonom – Die Globalisierung ist kein neues Phänomen, aber die
Wohlstandsgewinne der Globalisierung werden zunehmend ungleich verteilt. Die
globalen Finanzmärkte haben die Vorherrschaft über die Produktion erlangt und
Finanzinvestoren entscheiden über Managementstrategien. Bei der
Shareholder-Value-Orientierung stehen kurzfristige Rendite- und
Kursentwicklungen im Vordergrund. Die steigenden Gewinne werden aber Großteils
nicht reinvestiert, sondern für die Kurspflege (Aktienrückkaufprogramme,
Dividenden, etc.) verwendet. Dadurch wird das Wachstum gebremst und der Druck
auf die Löhne und die Arbeitsbedingungen erhöht sich. Die Alternative zu dem
ruinösen Standortwettbewerb der Nationalstaaten kann nur eine verstärkte
politische Koordinierung im Bereich der Geld-, Finanz- und Steuerpolitik sein.
Es sind bessere Regelungen am Arbeitsmarkt erforderlich. Den
Globalisierungsverlierern, wie den Geringqualifizierten, ist mit einer
expansiven Bildungs,- Qualifizierungs- und Arbeitsmarktpolitik zu helfen, um im
Globalisierungsprozess bestehen zu können. Der marktliberalen Globalisierung
muss eine gewerkschaftliche Gegenmacht entgegengesetzt werden. Dabei gilt es
betriebliche Spaltungslinien zu überwinden und die Tarif- und
Mitbestimmungspolitik auf der internationalen Ebene vermehrt zu einem Thema
machen.
Thesenpapier