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ISW-Veranstaltung am 19.10.2006 "Beschäftigung in Europa: Wie kommen wir zu mehr und besseren Arbeitsplätzen?"

Zusammenfassung

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In seiner Begrüßungsrede wies AK-Präsident Johann Kalliauer darauf hin, dass durch die Schaffung von mehr und besseren Arbeitsplätzen auch die Zustimmung zu Europa steigen würde. Ein Kurswechsel müsste ein Bündel von Maßnahmen beinhalten. Diese reichen von einem Investitionsprogramm in die Infrastruktur über angemessene Lohn- und Gehaltssteigerungen bis hin zu einer Aufstockung der finanziellen Ressourcen für aktive Beschäftigungspolitik. Schließlich wird der Kampf gegen die Arbeitslosigkeit von einer Mehrheit der Menschen als das wichtigste Thema gesehen, dem sich die Politik stellen muss, sowohl im eigenen Land wie in Europa.

Statement



Karl Pichelmann – Europäische Kommission, GD Wirtschaft und Finanzen (ECFIN) – betonte, dass Wachstum und Beschäftigung von der effektiven Nachfrage abhängen. Soll diese auch nachhaltig sein, bedarf es neben einer geeigneten Geld- und Fiskalpolitik auch einer Anpassung der Angebotsstrukturen. Die EU muss ihr Arbeitskräftepotenzial quantitativ wie qualitativ besser nutzen. Trotz jüngster positiver Entwicklungen sind wir noch weit von den deklarierten Beschäftigungszielen entfernt. Folgende Schritte würden langfristig die Beschäftigung  fördern: eine produktivitätsorientierte Lohnentwicklung, die Freihaltung eines Spielraums für Fiskalpolitik sowie die weitere Entwicklung des Binnenmarktes.

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Engelbert Stockhammer – WU Wien, Institut für Geld- und Fiskalpolitik – legte dar, dass oft davon ausgegangen wird, dass Lohnzurückhaltung mehr Beschäftigung bringt. Tatsächlich sind seit den 60er Jahren die realen Lohnstückkosten in den EU-15 aber gesunken, während die Arbeitslosenrate gestiegen ist. Die fallende Lohnquote dürfte einen negativen Effekt auf die Gesamtnachfrage ausgelöst haben, was sich wiederum in einem geringeren Arbeitsplatzangebot niedergeschlagen hat. Um wirklich mehr und bessere Arbeitsplätze zu schaffen, wäre die europaweite Koordination der Geld-, Fiskal- und Lohnpolitik in einem makroökonomischen Dialog wichtig, in dem auch die Sozialpartner eingebunden sind. Eine besondere Herausforderung liegt in einer Lohnkoordination zwischen alten und neuen Mitgliedsstaaten.

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Gudrun Biffl – Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO) – ging auf das Nationale Reformprogramm vom Oktober 2005 ein, welches auf den europäischen Leitlinien für Wachstum und Beschäftigung basiert. Auf dessen Grundlage sollen bis 2008 in Österreich eine Reihe verschiedenster Maßnahmen umgesetzt werden. Herausforderungen stellen etwa der schlechte Ausbildungsgrad auch der zweiten und dritten Generation der MigrantInnen und der fehlende einheitliche Koordinationsrahmen der Integrationspolitik auf Bundesebene dar. Zur Förderung der Beschäftigung älterer ArbeitnehmerInnen kämen neue Szenarien für den Berufsausstieg in Frage, wie etwa Gleitpension (Teilzeitarbeit und Teilzeitpension).

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Heiner Flassbeck – United Nations Conference on Trade and Development (UNCTAD), Acting Director in der “Division on Globalization and Development Strategies” – verkündete ein einfaches Rezept zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit: Jeder muss gemäß seinen Verhältnissen leben. Mit seiner Lohnsenkungspolitik lebt Deutschland jedoch unter seinen Verhältnissen. In den letzten Jahren lag die Steigerungsrate der Lohnstückkosten in Deutschland weit unter jener der Europäischen Währungsunion. Die daraus resultierende geringe Nachfrage im Inland schadet nicht nur dem deutschen Arbeitsmarkt. Länder mit höheren Lohnstückkosten (wie etwa Italien, Spanien, Frankreich und Großbritannien) kommen unter Druck entweder ebenfalls ihre Löhne gering zu halten oder Marktanteile einzubüßen. Es entsteht die Gefahr der Deflation und die gesamte Währungsunion kommt in Schwierigkeiten. Mit dem Ansatz, Arbeitslosigkeit durch Lohnsenkungspolitik zu bekämpfen, ist die Politik „grandios gescheitert“.

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Letzte Aktualisierung am 30.11.2007